Der Reinacher Verein Suuberewald sammelt Müll im Wald. Mit von der Partie sind Politiker aus verschiedenen Parteien: Hier stösst der Jungfreisinnige Lucio Sansano (links) mit Grünen-Landrat Marco Agostini an.

Gemeinsam für eine saubere Sache

BaslerZeitung – 27. September 2020

Für «Suuberewald» verträgt man sich über die Parteigrenzen hinaus.

«Ich behaupte, 80 Prozent der Abfälle werden mit Absicht in den Wald geschmissen», sagt Marco Agostini, Präsident des Pfeffinger Vereins «Suuberewald» und Landrat der Grünen. Schon so einiges an Abfällen habe er aus dem Wald geholt. Flachbildschirme, Wasserpfeifen, Lederjacken, Ski und Skischuhe. Die Kracher: ein Lastwagenpneu mit Felge und eine riesige Lastwagenplane. Er könne das nur bestätigen, sagt Lucio Sansano, Vizepräsident des Vereins und Präsident der Baselbieter Jungfreisinnigen. «Als ich erstmals an einer Waldputzaktion teilnahm, wusste ich nicht, was mich erwartet», erinnert er sich. «Bereits nach einer Minute hatte ich eine riesige Teflonpfanne gefunden.»

Vor vier Jahren begann Marco Agostini, den Wald zu säubern. Auf seinen Bike-Touren seien ihm immer wieder Abfälle aufgefallen, wo sie nicht hingehörten. «Ich fragte mich, wer das wegräumt. Zu Hause angekommen fragte ich mich dann: warum nicht ich?» Mit zwei Säcken sei er in den Wald zurückgekehrt. Die sollen in 15 Minuten voll gewesen sein. 2019 ist daraus der heutige Verein mit seinen rund 50 Mitgliedern entstanden. «Tendenz steigend», bemerkt Lucio Sansano. Die meisten Mitglieder stammen aus der Birs-Region, einige sogar aus Graubünden und dem Wallis. Offiziell finden jährlich zehn Putzaktionen statt. «Aber», ergänzt Agostini, «viele Mitglieder gehen auch alleine aufräumen im Wald.»

Für Suuberewald verträgt man sich über die Parteigrenzen hinaus. Da arbeitet ein Grüner mit einem Jungfreisinnigen Hand in Hand. «Ja, das finden wir auch toll», kommentiert Lucio Sansano, «es dreht sich um ein Anliegen, für das wir beide einstehen wollen.» Die Überparteilichkeit führte allerdings auch schon zu einem «kleinen Debakel», wie es Agostini nennt. Im Januar organisierte der Verein eine Putzaktion in Liestal. Mit dabei die Junge SVP, die Jungen Grünen sowie die Juso. Hinterher wurde der JSVP von den anderen Jungparteien vorgeworfen, nur aus Imagegründen teilgenommen zu haben. «Ist egal», sagt Marco Agostini, «wir machen weiter und werden es wieder tun.» Gemeinsam.

Patentschaft und Clean-up-Day

Ganz wichtig sei dem Verein, die Leute auf die Thematik zu sensibilisieren. «Ich kann mir vorstellen, dass wir künftig Schulungen für Klassen anbieten werden», denkt Vizepräsident Sansano voraus. «Viele denken, die Schweiz sei sehr, sehr sauber», holt Agostini aus, «doch da sind landesweit auch diese 40’000 belasteten Standorte, 10’000 Deponien – das ist viel Abfall.» Jedes Jahr würden mehrere Tausend Tonnen an Verpackung nicht ihren korrekten Weg in das Recyclingsystem oder die Kehrichtverbrennung finden.

Inzwischen hat Suuberewald die Patenschaft einer Weiheranlage in der Reinacher Heide übernommen, einen Clean-up-Day in Reinach durchgeführt und denkt über eine Zusammenarbeit mit «Unverpackt Birseck» nach. Ein kleiner Laden, der gegen den «Verpackungswahn» antritt. Marco Agostini: «Es ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein, was wir machen. Aber wir tun das auch, weil es Spass macht, weil es einem ein gutes Gefühl gibt.»

DANIEL AENISHÄNSLIN

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