Mr. Corona zu Besuch in Liestal

BaslerZeitung – 08. September 2020

Prominenter Gast im Jugendforum 2020: Daniel Koch erwies dem Jugendrat Baselland die Ehre. Und zahlreichen jungen Leuten wurde eine Plattform für den politischen Diskurs geboten. 

Das Baselbieter Jugendforum wird alljährlich vom Jugendrat Baselland, einer politisch neutralen Kommission des Regierungsrats, organisiert. Ziel der Veranstaltung ist es, einerseits den Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren eine Plattform für den politischen Diskurs zu bieten und Ideen für politische Vorstösse zu entwickeln, aber auch, den Jungparteien die Möglichkeit zu geben, sich vorzustellen. Die diesjährige Ausgabe fand gestern unter dem Leitthema «Die neue Normalität» im Hinblick auf die Massnahmen gegen die Covid-Epidemie statt.

Ein Höhepunkt war sogleich das Eröffnungsreferat durch Daniel Koch, Ex-Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, der als Referent für diesen Anlass gewonnen werden konnte. Er erzählte nochmals den Ablauf der Covid-Krise aus seiner Sicht und lobte die Arbeit des Bundesrats, der unter Hochdruck immer wieder kurzfristige Entscheide fällen musste. Anschliessend liess er sich mit Fragen löchern. Er mahnte die Anwesenden beispielsweise, die Bestimmungen des Bundes ernst zu nehmen, fand aber auch ermunternde Worte. Auf die Frage, ob denn ein Eingreifen des Staates wie in China nicht effektiver gewesen wäre, erwiderte er: «Ich bin froh, dass wir nicht reagiert haben wie China. Ich glaube, die freiheitliche Welt muss ihren eigenen Weg finden und nicht das nachmachen, was in einem autoritären System vorgemacht wurde.»

Reelle Chancen für die Petitionen

Anschliessend begann der Hauptteil des Tages. In vier Gruppen mit den Themen Bildung, Freiheit, Wirtschaft und Klima, die jeweils von Jugendratsmitgliedern moderiert und von eingeladenen Experten aus Politik und Wirtschaft assistiert wurden, entwickelten die Jugendlichen Ideen für eine Petition, um diese auszuformulieren, im Plenum zu präsentieren und darüber zu debattieren. In einer Schlussabstimmung wurde entschieden, welche dieser Petitionen dem anwesenden Regierungsratspräsidenten Anton Lauber übergeben werden sollten. Der Regierungsrat wird diese Petitionen beantworten. Es besteht die Möglichkeit, dass daraus eine Landratsmotion entsteht. 

Eine Erfolgsgeschichte ist beispielsweise der Vorstoss, mehr politische Bildung in den kantonalen Lehrplan auf Sek-II-Stufe zu integrieren. Die Grundlage dafür entstand in einem früheren Jugendforum. Lauber, der anschliessend auch die Schlussansprache des Tages hielt, war erfreut über die rege politische Teilnahme der jungen Generation. «Ich finde es schön, zu erleben, wie junge Menschen miteinander reden, sich fundiert vorbereiten, ein Anliegen vertreten, zuhören und abwägen», sagte er der BaZ.

Normalerweise ist der Landratssaal am Jugendforum voll gefüllt. Wegen des Covid-Virus musste die Teilnehmerzahl dieses Jahr jedoch limitiert werden. Erst kurzfristig wurde klar, ob und unter welchen Umständen das Jugendforum stattfinden konnte. Nur 22 Jugendliche konnten schliesslich dabei sein. Die Organisatoren waren um eine gerechte Verteilung auf die Baselbieter Gymnasien, wo die allermeisten von ihnen zur Schule gehen, bemüht. Jugendratspräsident Benjamin Rigo sagt am Ende des Tages, dass die beschränkte Teilnehmerzahl nicht nur Nachteile gehabt habe. Die Teilnehmer hätten so Zeit gehabt, über ein Thema ausgiebig zu debattieren.

Laut Vizepräsident Lucio Sansano ist man mit der diesjährigen Ausgabe sehr zufrieden. «Ich freue mich unglaublich, dass alle so aktiv mitarbeiten, vor allem in den Expertengruppen. Es sind auch super engagierte Fragen an Daniel Koch gekommen. Dass er hier war und Fragen beantwortet hat, wird man sicher nicht so schnell vergessen.» Auch unter den Teilnehmern waren die Rückmeldungen positiv: «Ja, der Tag gefällt uns. Und das Essen ist gut!», sagten Schülerinnen und Schüler einer Klasse des Gymnasiums Liestal.

STEPHAN HÄNGGI

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